Aufgaben / Arbeitsbereiche der Martin Buber-Gesellschaft
... nicht die Lehre, sondern das Gespräch
»Ich muß es immer wieder sagen: Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus.
Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.«
»Es will mir [...] scheinen, daß es in unserer Weltstunde überhaupt nicht darauf ankommt, feste Lehre zu besitzen, sondern darauf, ewige Wirklichkeit zu erkennen und aus ihrer Kraft gegenwärtiger Wirklichkeit standzuhalten. Es ist in dieser Wüstennacht kein Weg zu zeigen; es ist zu helfen, mit bereiter Seele zu beharren, bis der Morgen dämmert und ein Weg sichtbar wird, wo niemand ihn ahnte.«
Wissenschaft und Handeln miteinander ist das Ziel
Nicht bloß eine »gelehrte Gesellschaft«, die Buber wenig gemäß wäre, sondern: aneignen, weitergeben, selbst weiterdenken, weiterleben. Begegnung und Austausch von Forschern, von Kennern und Freunden, Nachbarn aus verschiedenen Bereichen.
Und: Erforschen und Vergegenwärtigen der Welt, von der Buber herkam, in der er wirkte, mitunter auch versagte; primär also die neuere jüdische Geistes- und Lebensgeschichte, die Situation, in der Bubersches Denken stand und bis heute steht.
Ein Beispiel: Buber stand in einer lebendigen Einheit mit den Chassidim des 18. und 19. Jahrhunderts. Aber was war das für ein Chassidismus? Zuverlässiges, Buber gerecht werdendes wissen wir noch wenig. Man wirft Buber vor, er habe nicht den wirklichen, historischen Chassidismus gezeigt; aber: was ist es, was er gezeigt hat?
Oder: was war das prophetische, das sozialethische Element im Judentum, in deren Kontinuität Buber steht, weiterdenkt? Wie verhält sich, was Buber unter Judentum verstand, zu einem orthodoxen, einem liberalen Judentum? Ohne dieses breite Vor- und Umfeld Bubers - lebendiges Beieinander, problemgeschichtliches Neben-, auch Gegeneinander - abzuklären, ist Buber kaum zu verstehen.
Bereiche
Vorträge zustande bringen, Kolloquien, Arbeitstagungen an wechselnden Orten - im Regelfall in Verbindung mit der Jahresversammlung. - Besuche / Spurensuche in Orten, in denen Buber lebte und arbeitete (Wien, Lemberg, Leipzig, Zürich, Berlin, Heppenheim, Jerusalem). - Organisation einer Erinnerungsstätte, einer Wanderausstellung: Aktualisierung von Leben, Werk, Denken. Eine besondere Aufgabe angesichts des rapide fortschreitenden Generationswechsels: nachdrücklich und mit Phantasie für die Verbreitung der Werke Bubers zu sorgen.
Wie Buber bewußt Jude, aber offen gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen war, so möchte auch die Buber-Gesellschaft offen gegenüber Menschen verschiedener Kulturen, Weltanschauungen und Religionen sein und wünscht sich die Mitwirkung jüdischer Menschen: Kontakte also zum jüdischen / israelischen Umkreis. Kontakt / Gespräch aber auch mit Richtungen / Menschen in anderen Religionen / Kulturen, zu denen Buber in Beziehung trat und denen es um Buber Verwandtes / Paralleles geht (Christentum und seine Konfessionen, fernöstliche Traditionen, insbes. Taoismus, Zen, japanisches Denken).
Ins Auge gefaßt ist die Bildung von Sektionen und Projektgruppen, von Lesekreisen zur Erschließung der Schriften; Eingehen auf thematische Bereiche - wie: Buber und die Psychologie (C. G. Jung / Psychoanalyse), die Herausgabe der Zeitschrift Die Kreatur, Bubersche Anstöße in der Pädagogik, Kontakte zu Schriftstellern und Künstlern.
Einbringen Buberscher Impulse in die öffentliche Diskussion, Weiterdenken
In den Buberschen Denkansätzen, Vorgehens-, Handlungsweisen ist Berechtigtes, Vergebliches, Weiterzuentwickelndes zugleich. Es finden sich darin Anstöße für eine lebendige Entfaltung, Entwicklung weiteren Denkens und Handelns auch hier und heute.
Aktivierung von Bubers Denken und Ethik auf aktuelle Diskussionen und Probleme hin (Leben mit der Natur, Euthanasiediskussion, Gen-Manipulation, Forschung an Behinderten, ›Wert‹ des Lebens überhaupt, Verhalten gegenüber Ausländern, Asylsuchenden etc.). - Pionierarbeit im Bildungs- und Erziehungsbereich anregen (Erwachsenenbildung, Unterrichtsentwürfe, Lehreinheiten). - Diskussion / Förderung von Bubers Denken in der Psychotherapie.
Mit Im Gespräch gibt die Buber-Gesellschaft eine Zeitschrift für den gesamten Buber-Bereich heraus, thematisiert auch das Umfeld, benachbarte Bereiche. Ausgaben des Heftes jeweils mit eigenen Beiträgen (Berichte, Hinweise, Aufsätze - etwa zu biographischen Zusammenhängen, zu ethischen, gesellschaftlichen Fragestellungen), Buchanzeigen / Kurzrezensionen, Hinweise auf versteckt Erschienenes, fortlaufende annotierte Buber-Bibliographie.